Foliage
Das alte Haus mit der dunkelroten Tür

Das alte Haus hatte sie schon lange im Blick.
Es schien fast auseinander zu fallen und sie fragte sich, wie lange es wohl schon da stand. Die Farbe der Fensterläden ist fast abgeblättert, sie schienen früher Grün gewesen zu sein. Nun sind sie fast morsche und am Fenster rechts neben der Tür fiel es fast aus den Angeln. Das Schloss an der dunkelroten Tür war aufgebrochen.

Verborgen im Wald zwischen hohen Bäumen und abseits ihres Dorfes war das Haus wohl schon öfter ein Ort des Rückzugs und Verstecks gewesen. Das Dach war vom Blättergeäst der Bäume fast zugewachsen und in der Regenrinne bauten Vögel schon seit Generationen ihre Nester.

Sie war gerade auf dem Weg nach Hause gewesen, als sie es zum ersten Mal gesehen hatte. Von Träumereien umgeben war sie auf dem Weg durch den Wald abgebogen und einfach weitergelaufen.

Ihre Träume schienen ihr manchmal zu real, als sie eigentlich wollte, als sie sein sollten. Aber sie konnte nichts dagegen tun.
Es kam nicht selten vor, das sie noch vor dem Weckerklingeln schweißgebadet im Bett saß und sich fragte, ob es eben tatsächlich nur ein Traum gewesen war, oder ob der Mann ihr immer noch folgte...

Manchmal legte sie sich mittags in den großen Garten ihrer Großmutter mit seinen vielen verwinkelten Ecken und alten, knorrigen Bäumen, ins Gras mit den Blick in die Wolken, die über ihr ganze Welten formten. Sie schloss die Augen, und stellte sich vor, wie es wohl sein würde, könnte sie die Arme ausbreiten und hinter die Wolken fliegen, der Sonne entgegen. Später, irgendwann gegen Abend wurde sie dann von den Rufen ihrer Großmutter geweckt, die sie zum Abendessen bestellten. Seit sie denken konnte, war sie schon in diesem Garten und in jeden Sommerferien schickte sie ihr Vater hierher, weil er auf Geschäftreise musste und sie nicht alleine in der Stadt bleiben konnte.

Nun stand sie vor dem alten Haus mit den ehemals grünen Fensterläden und dem aufgebrochenen Schloss. Der Wald um sie herum kam ihr so lebendig wie noch nie vor. Von jeder Seite hörte sie Vögelzwitschern, Holz knackte unentwegt und die Abendsonne schickte ihre letzten Strahlen durchs Dickicht. Die Luft war frisch und vereinte die Gerüche des Frühlings. Sie atmete tief ein.

Langsam ging sie auf das Haus zu. Schon wieder in ihren Gedanken gefangen, was sich wohl im Haus verbergen könnte, trat sie aus Versehen auf einen der dünnen Äste auf dem teilweise mit Moos bewachsenen Waldboden und schreckte auf, als die Vögel über ihr vom Geräusch in den immer dunkler werdenden Himmel davonflogen. In ihrer Bewegung verharrte sie einen Moment, darauf achtend, ob sie auch weiterhin alleine war.

Normalerweise ging sie nur mit ihrer besten Freundin auf Entdeckungssuche, in fremde Häuser oder verlassene Wohnanlagen, aber heute war sie alleine. Sie hatte ihrer Freundin nichts davon erzählt, das sie heute hierher gehen würde, denn sie war sich sicher, das sie dann sofort mitgewollt hätte, doch irgendetwas in ihrem Gefühl schien ihr zu sagen, dass sie heute alleine sein musste.

Sie stand nun vor der dunkelroten Tür, die im aufkommenden Wind lauter knarrte und bei ihr einen Schauer auf dem Rücken hinterließ. Sie warf noch einen letzten Blick über ihre Schulter nach hinten in den verlassenen Wald, in ihrem Kopf spielten sich alle möglichen Horrorszenarien ab von Entführung bis zur Folter, was passieren könnte, tritt sie gleich über die Schwelle dieses Hauses. Ihre Fantasie hat sie noch nie im Stich gelassen.

Tief Luft holend griff sie zur Türklinke und schob sie auf. Drinnen war es dunkel und ihre Augen brauchten eine Weile, bis sie sich daran gewöhnten und als sie keine Geräusche vernahm, trat sie ein. Im Haus herrschte ein modriger Geruch, das Holz schien an einigen Stellen im Fußboden brüchig, sie das sie darauf acht geben musste, wo sie hintrat.

Gleich rechts neben der Tür stand ein kleiner Tisch und zwei Schritte weiter ging eine Tür schon in einen zweiten Raum, worin sie ein Bett an der Wand erkennen konnte. Sie ging vorsichtig den kleinen Flur bis zur zweiten Tür, die links weg in einen weiteren Raum führte. Er war Wohnzimmer und Küche zugleich. In der Mitte standen ein Tisch mit drei Stühlen und dahinter eine kleine Anrichte mit Regal. Auf der anderen Seite stand ein Sessel mit einer Kommode daneben.

Sie war erstaunt, wie möbliert dieses kleine Haus war und ihre Vermutung, das es schon öfter ein Versteck oder Rückzugsort gewesen sein musste, bestätigte sich, denn es war vergleichsweise sauber, bis auf eine Staubschicht, die sich durch alle Räume zog.

Die oberste Schublade der Kommode war halboffen. Vorsichtig ging sie auf sie zu und kniete sich vor ihr auf dem Boden. Aus den Augenwinkeln bemerkte sie rechts neben sich plötzlich eine Bewegung, augenblicklich fing ihr Herz an zu klopfen und sie hielt die Luft an.
Mit einem Ruck blickte sie in die Richtung, fast zur gleichen Zeit fauchte es ohrenbetäubend und eine schwarze Katze huschte hinter ihr die Tür hinaus. Erleichtert, aber den Schreck noch immer in den Gliedern, atmete sie wieder aus und wandte sie erneut der Kommode zu.

Sie war schwer aufzubekommen, das Holz hatte während der Zeit weitergelebt. Wie viele Jahre hat hier schon keiner mehr gewohnt, fragte sie sich, diesmal etwas lauter. Ihre Angst, hier könnte ihr jemand auflauern, war verflogen und die Umgebung war ihr schon vertrauter geworden.
Sie versuchte, durch den Spalt in die Schublade zu schauen, und traute ihren Augen nicht, als sie ganz hinten in der Ecke tatsächlich ewas bemerkte, das wie ein Stück Papier oder Pappe aussah. Womöglich gab ihr das endlich den Hinweis, wer hier früher gewohnt hat!

Vorsichtig, aber nicht ohne Kraftaufwand zog sie langsam an der Schublade. Das Holz schien zu leben, es roch stark und für einen Moment schoss ihr der Gedanken durch den Kopf, das das Haus langsam vom Wald eingenommen wird. Als ob es mit ihm zusammenwächst mit der Zeit.
Es dauerte nicht lange, da hatte sie die Kommode so weit offen, das sie an das Stück Papier heran kam. Sie fischte es heraus und erkannte ein Foto.

Es war alt, fast vergilbt und sie musste es mit Bedacht anfassen, sonst zerfiel es ihr in der Hand. Als sie es umdrehte, wäre sie fast vor Schreck hinten über gefallen...
Auf dem Foto war eine Familie, noch dazu eine recht junge, vor genau dem Haus abgebildet, in dem sie sich jetzt befand. Sie schaute genauer hin und auf einmal erkannte sie, wo sie den jungen Mann schon einmal gesehen hatte.

"Geh nicht so tief in den Wald, Kleines, du weißt nicht, was dich dort erwarten könnte...", waren die Worte ihrer Großmutter, die sie stets in ihrer Kindheit gehört hatte, als sie anfing, die umliegenden Felder und den Wald zu erkunden.
Sie hatte sich aber nie gefragt, warum.

Auf einmal schien ihr alles klarer zu werden. Wo war ihre Mutter gewesen, als sie sie am meisten vermisste. Musste sie deshalb jeden Sommer und Ferien zu ihren Großeltern, weil sie keine hatte?
Ist das vielleicht ihre Mutter auf dem Foto?...

Völig in Gedanken hatte sie vergessen, wo sie war und wie spät es schon ist, als sie plötzlich hinter sich das Knarren der Tür hörte.
...



to be continued...
26.5.07 17:57


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Die Maske

Ich schließe die Augen, lasse alles um mich herum hinter mir und falle.
Noch weiß ich nicht, wohin es mich führen wird, doch ich vertraue auf mein Gefühl, meinem Instinkt.

Ich kehre der Welt den Rücken zu, schaue an ihnen vorbei in eine neue, unbekannte, und doch vertraute Welt hinein.
Langsam gehe ich einen Schritt nach vorn und wie von selbst fühle ich, wie die Maske Besitz von mir nimmt.

Die Zeit wird relativ, eine Sekunde Ewigkeit und der Moment ist fast greifbar, als ich erkenne, das es eine fantastischere, freiere Welt ist.
Ich höre Musik, Stimmen werden um mich herum immer lauter und ich lass mich tragen. Fast fliege ich, drehe mich immer schneller. Der Rausch erfasst mich, nimmt mich bei der Hand und dann merke ich, ich bin da.

Die Maske kommt mir nicht mehr seltsam, unbekannt vor, es ist, als wär sie ein Teil von mir in dieser Welt.
In meinen Träumen,
in unserer Fantasie.


***
11.05. 07 in THE LOVE BELOW
11.5.07 15:54


Alleine im Dunkel

Er griff nach ihrer Hand und zog sie nah an sich.
Sie spürte seinen Atem, heiß und verlangend an ihren Hals und im gleichen Augenblick lief ihr ein leichter Schauer über den Rücken.
Leise hatten sie sich davon geschlichen und nun standen sie in einem dunklen Hauseingang. Der Mond war die einzige Lichtquelle, die die Umgebung in sanftes Licht tauchte.
"Was ist? Hast du Angst?", fragte er leise an ihrem Ohr und begann sie zu küssen.
Sie hatte keine Angst, sie zögerte nur.
Fragte sich im Stillen, ob es so richtig war, was sie da taten.

Seine Lippen waren weich und seine Küsse einzige Lust. Vorsichtig küsste sie zurück und als er ihren Kuss erwiderte, wurde er zudringlicher. Doch noch fühlte sie sich geborgen.
Vielleicht dachte sie einfach zu viel nach. Vielleicht sollte sie es einfach geschehen lassen. Irgendwann musste es passieren. Sie wusste, sie würde es nicht verhindern können.
Ihre Küsse wurden intensiver, vertrauter, sie spürte seinen Körper beben vor Erregung und sie merkte, wie sich das auf sie übertrug. Doch noch hatte sie die Kontrolle. Sie konnte immer noch "Nein" sagen, wenn sie wollte.

Sie hatte bis jetzt nicht gewusst, das er auf sie stand, hatte sie immer nur flüchtig begrüßt und jetzt auf einmal das. Es verwirrte sie und er merkte es.
"Komm schon, du willst es doch auch...", hauchte er auf einmal.
In ihrem Kopf fuhren die Gedanken Achterbahn. Sprachlos, weil er es zu wissen schien, entzog sie sich den Küssen und den Händen, die sich schon lange an ihrem Rock zu schaffen gemacht hatten.
Sie blickte ihn an. Seine Augen glitzerten gefährlich im Mondlicht. Lebendig vor Gier und Erregung schienen sie sie fast aufzuessen.
Sie dachte noch einmal an ihre Möglichkeiten, die sich damit ergeben würden, was sie alles erreichten könnte, wenn sie es zuließ. Doch dabei konnte sie sich nicht in ihre Karten blicken lassen. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie sich zu ihm beugte.
"Nein, ich habe keine Angst...", flüsterte sie und küsste ihn, wie er es noch nicht erlebt hatte.
3.5.07 15:12


Das weiße Rauschen

Daran, wie es wohl sein würde, wenn ich stürbe, habe ich schon oft gedacht.
Ich fragte mich dann, was als Nächstes passiert. Würde alles einfach schwarz um mich werden? Oder kämen gar die Engel und holten mich ins Himmelreich?

Gibt es überhaupt so etwas wie ein Himmelreich?
Und Engel, existierten sie tatsächlich?

Nein, ich war mir stets sicher gewesen, das so ein Reich über den Köpfen der Menschen nur ein Hirngespinst derselben war und eine Art Verdrängungsversuch war um über den Tod des geliebten Menschen hinweg zu kommen.

Ich habe schon immer rational gedacht. Die Bibelverse in meiner Kindheit hatten keine Wirkung auf mich, ich glaubte einfach nicht an sie, da konnten meine Eltern erzählen, was sie wollten. In die Kirche kam ich nur des Anstands wegen mit.

In der Schule war ich eher ein stiller Typ, unauffällig und nett. Nach meinem Abschluss studierte ich und lernte auch so meine jetzige Frau kennen. Ich habe vorher noch nie eine so liebenswerte und leidenschaftliche Person getroffen.

Auf meine besten Freunde kann ich wirklich zählen. Bei Problemen sind sie genauso da für mich wie ich für sie in ähnlichen Situationen und manchmal fahren wir sogar gemeinsam in den Urlaub.

Nein, an Engel und den Himmel glaube ich wirklich nicht. Es erscheint mir einfach zu überirdisch. das Leben findet auf der Erde statt, mit und um einen.
Aber es gibt so Momente, da denkt man nicht im Leben dran, das sie einen auch persönlich treffen könnten.

Heute war ein ganz normaler Arbeitstag, früh aufgestanden, Kaffee getrunken, die geliebte Frau zum Abschied geküsst und dann gearbeitet.
Ein wunderschöner Abend steht einen bevor, und doch sieht man dann nur noch die Baustelle ein paar Meter weiter vorn in Höchstgeschwindigkeit auf einen zukommen und das letzte, an was man denkt, ist die Frage, ob es den Himmel wirklich gibt.

Ich habe noch nie darüber nachgedacht, fällt mir ein und mir wird ganz schwindlig, als das Auto schlingernd in den Himmel abhebt, und alles um mich herum weiß wird.
2.5.07 15:28


Seelenworte

Was ich nicht zeichnen kann,
kleide ich in Worte.
Die Worte sind meine Farben,
in allen Facetten und Visionen.

Worte sind mehr als nur Buchstaben.

Mit ihnen dringst du in Seelen vor und verlierst dich in ihnen.
Und doch werden sie dir immer ein Geheimnis bleiben.


22.4 07
23.4.07 15:44


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